»150 Jahre Alter Friedhof Schwerin 1863-2013 – Vom Gottesacker zum Gartendenkmal«

In diesem Jahr wird das 150. Jubiläum der Anlage des Alten Friedhofes in Schwerin begangen. Die Stadt Schwerin hat zu diesem Anlass eine Veranstaltungsreihe und Ausstellungen durchgeführt. Der Höhepunkt ist die Herausgabe eines Buches über die Geschichte dieses ältesten norddeutschen Landschaftsfriedhofes, welches von Christine Rehberg-Credé und Matthias Proske geschrieben wurde. Das Buch ist im Schweriner Schelfbuchverlag erschienen, und diese Wahl ist richtig gewesen, fällt doch auf, dass die Bücher des Verlages  eine sorgfältige Gestaltung und Betreuung erfahren. Die sensiblen und empathischen Bilder des Fotografen Jörn Lehmann, haben einen großen Anteil daran. Auch das Buch „150 Jahre Alter Friedhof Schwerin 1863-2013 – Vom Gottesacker zum Gartendenkmal" ist von ihm fotografisch begleitet worden.Beginnend mit einem kurzen Abriss über die Geschichte der Residenz im 19. Jahrhundert und eine Vorstellung der vorherigen Friedhöfe, beschreibt die Autorin die Planung und erste Gestaltung des Alten Friedhofes durch Theodor Klett, der als Gartenarchitekt viele Parks in Mecklenburg gestaltet hat und Georg Adolph Demmler, ihre Visionen –  auch von einer klassenlosen Gesellschaft im Jenseits, sollte doch auf dem neugeschaffenen Friedhof Arm neben Reich ihre letzte Ruhe finden. „Visionen" – Kirche, Hof, auch das Bürgertum hatten damals das Sagen. Anhand von zeitgenössischen Plänen, Zitaten aus Unterlagen der Entstehungszeit werden die Ziele und Gedanken der beiden Schöpfer dem Leser nahegebracht. So nimmt man teil an der Entstehungsgeschichte des Friedhofs, auch der des ersten Mausoleums, das Demmler für sich und seine Frau schuf. 1864 fand Henriette Demmler dort ihre letzte Ruhestätte. Die Grabkapelle, ein Denkmal des Freimaurertums seines Architekten, war die erste  auf dem neugeschaffenen Friedhof. Zwischen 1863 und 1915 wurden 19 Kapellen auf dem Gelände angelegt.

In den nächsten Kapiteln werden noch vorhandene Gräber aus der Frühzeit der Anlage und die Regulierung der Friedhofsordnung aus jener Zeit vorgestellt. Und irgendwo hinter einem der Grabsteine hört man den Amtsschimmel wiehern. Auch über den Tod hinaus herrscht deutsche Ordnung, Sitte und Anstand. Denn Selbstmörder erhielten natürlich keinen Leichenstein oder Grabschmuck. Strafe musste sein... Gefahr, dass der Leser sich bei diesen Regularien langweilt, besteht nicht! Dafür sorgen die Autorin und die Bilder Jörn Lehmanns, denn immer wieder entdeckt man neue Perspektiven und Ansichten. Der Leser wird von Autorin und Fotograf  auf einen Streifzug über den Alten Friedhof und in seine Geschichte mitgenommen, lernt das Totengräberhaus kennen und erfährt dabei Fakten, die heute ein Lächeln verursachen. So wurde aus Angst, dass Scheintote beerdigt werden, diesen ein Draht um einen Finger gewickelt. Der Draht führte zu einer Glocke, die in der Totengräberwohnung angebracht war. Ob sie jemals schellte, wird nicht berichtet.  Liest man das Buch wird einem bewusst, dass viele Probleme der jetzigen Zeit schon damals aktuell waren. Ewiger Streit zwischen Stadt und Kirche um Finanzierung von Bewässerungsanlagen, Neuanpflanzungen und das Feilschen um Gründstückspreise bei den Erweiterungen des Friedhofes.

Ein umfangreiches Kapitel widmet sich den Erweiterungsmaßnahmen der Anlage.  Der Streit um die Ermöglichung von Urnenbeisetzungen ist für den heutigen Leser kaum nachvollziehbar, auch die kleinliche Regulierung um die Bepflanzung der Grabanlagen. Da wird sogar die Farbgebung der Blumen vorgeschrieben.                                                                                                                                                   Die Gliederung des Buches in einzelne Schwerpunkte erleichtert das Nachschlagen und -lesen. Ein Schlagwortregister hätte dies allerdings noch erleichtert.   Gelungen ist die Lösung, die verschiedenen Friedhofspläne auf die Innenseiten des Einbandes zu bringen. So gelingt ein schnelles Nachverfolgen bei den textlichen Streifzügen der beiden Autoren.                                                                                       Das Buch endet mit der Vorstellung des Gestaltungsplanes bis 2040. Dieser Beitrag ist von Matthias Proske, der mit seinem Büro dieses Projekt erarbeitet hat, geschrieben. Pläne und Visionen, die hoffentlich nicht an mangelnden Geldmitteln scheitern werden! Ein geschichtlicher Abriss kann nicht vollständig sein. So hätte man noch Karl-Heinz Oldag erwähnen müssen, der sich Jahrzehnte für den Erhalt des Alten Friedhofes und seiner Grabdenkmäler einsetzte. Sein Buch „Unvergessen", seit langer Zeit vergriffen, stellt Persönlichkeiten, die auf dem Friedhof ruhen vor. Auch hätte man den Förderverein Alter Friedhof e.V. der sich 2010 gründete und anlässlich des Jubiläums mit der Hilfe vieler Spender die Grabanlage Clewe wiederherstellte, erwähnen können.

In diesem Buch finden nicht nur geschichtsinteressierte Schweriner und Naturfreunde, sondern auch Leser, die sich für die Friedhofskultur und die mecklenburgische Geschichte interessieren reichlich kurzweiligen Lesestoff. Lutz Dettmann„150 Jahre Alter Friedhof Schwerin 1863-2013 – Vom Gottesacker zum Gartendenkmal", Christine Rehberg-Credé, Matthias Proske, Fotografien Jörn Lehmann, 120 Seiten,  Schelfbuch Verlag GmbH Schwerin 2013, ISBN 978-3-941689-15-2

 

 

 
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